Altersdiskriminierung in der Stellenausschreibung

BAG Urteil v. 11.08.2016, 8 AZR 406/14
Eine weitere interessante Entscheidung zum Thema der Altersdiskriminierung ist das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 11.08.2016, welches sich mit der Benachteiligung wegen des Alters bei Stellenausschreibungen befasst.
Der im Jahre 1969 geborene Kläger, welcher Diplom-Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Personalmanagement ist, hat sich im November 2011 auf die Stellenanzeige der Beklagten, einer international tätigen Personalberatung beworben.
Bei der Stellenausschreibung handelte es sich um eine Anstellung als Junior-Consultant. In der Anzeige wurde unter anderem die Tätigkeiten beschrieben, die den Bewerber erwarten. Unter anderem fand sich die Beschreibung, dass den Bewerber eine Einarbeitung sowie Vorbereitung in Zusammenarbeit „mit einem jungen dynamischen Team“ erwarte.
Nachdem die Beklagte dem Kläger eine Absage erteilte, machte dessen Prozessbevollmächtigter Schadensersatz und Entschädigungsansprüche aus § 15 I, II AGG geltend, da es sich bei der Hervorhebung des „jungen dynamischen Team“ um eine unmittelbare Altersdiskriminierung im Sinne des § 3 I AGG handeln würde. Diese begründe auch die Vermutung der altersbedingten Diskriminierung gegenüber dem Kläger nach § 22 AGG.
Das Gericht hat geprüft, ob hierbei ein Verstoß gegen das Verbot benachteiligender Stellenausschreibung gem. §§ 11, 7 I AGG vorliege. Ist dies gegeben, so kann der Kläger aufgrund der Benachteiligung Ansprüche nach § 15 I, II AGG gegen die Beklagte geltend machen.
Das BAG sieht in der Stellenausschreibung eine unmittelbare Benachteiligung wegen des Alters nach §§ 11, 7 I AGG. Bei dem Begriff „jung“ werde direkt an das Lebensalter angeknüpft und bei dem Begriff „dynamisch“ handelt es sich um eine Eigenschaft, welche grundsätzlich jüngeren Menschen zukommt. Zudem verstehe man aus der Sicht eines objektiven Erklärungsempfängers, dass die Beklagte nicht lediglich den „Ist-Zustand“ des Unternehmens beschreibe, sondern deutlich mache, dass sie ebenfalls junge und dynamische Arbeitnehmer suche.
Des Weiteren sieht das BAG in der Ausschreibung als „Junior-Consultant“ eine mittelbare Altersdiskriminierung nach § 3 II AGG, da auf eine geringe Berufserfahrung abgestellt werde, welches im Umkehrschluss bedeutet, dass Personen mit längerer Berufserfahrung, mithin typischerweise mit höherem Lebensalter, ausgeschlossen werden.
Zudem seien keine Zulässigkeitsgründe der Benachteiligung nach §§ 8, 9 AGG ersichtlich.
Das BAG gab dem Kläger recht, sodass diesem Schadensersatz- und Entschädigungsansprüche gegenüber der Beklagten zustehen.

Urteil im Volltext:
BUNDESARBEITSGERICHT Urteil vom 11.8.2016, 8 AZR 406/14
ECLI:DE:BAG:2016:110816.U.8AZR406.14.0
http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=en&sid=0d1c4ac8f799bdac732bfff9bcf2fdfa&nr=19045&pos=0&anz=1

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